Genosse Don Camillo

Erinnerst Du dich an den Film?
Wenn du ihn nicht kennst, dann findest du hier die Übersicht.

Als Kind durfte ich alle Don Camillo Filme sehen. Politisch habe ich praktisch nichts verstanden (nur, dass der Pfarrer und der Bürgermeister sich immer gestritten haben, aber im Grunde doch eigentlich Freunde waren. Denn, wenn es hart auf hart kam, dann waren sie für einander da). Die kleine Stadt wurde auf ihre Art „kommunistisch“ geführt (die wollen doch die Besitztümer unter allen aufteilen. Aber irgendwie hat das nicht so richtig geklappt) und dann waren aber die Leute, die doch lieber in die Kirche gingen. Soweit hatte ich verstanden…
Aber am liebsten waren mir die Szenen, wo Don Camillo (der Pfarrer) mit dem Heiland am Kreuz gesprochen hat. Oft hatte er „diskutieren“ wollen, aber auch das funktionierte nicht so richtig. Jesus hatte immer die besseren Argumente. Auffallend war, dass Jesus den Pfarrer aber immer in Liebe zurecht gewiesen oder geantwortet hat. Soviel hatte ich auch verstanden…

Dann war da der letzte Teil der Serie, wo eine Delegation aus dem Städtchen nach Russland eingeladen wird in die Partnerstadt. Don Camillo reist als „Genosse“ verkleidet mit der Delegation mit nach Russland. Er will das kommunistische Land mit eigenen Augen sehen (um seine Schlechtigkeit bestätigen zu können…). Vor Ort treffen sie auf liebenswerte Menschen.
Natürlich hatte ich auch da politisch nicht viel verstanden.
Aber eine Szene hatte mein Kinderherz sehr berührt – und die möchte ich hier mit dir teilen.

Eines Abends kommt Don Camillo an einer kleinen russisch-orthodoxen Kirche vorbei. Der hiesige Bürgermeister hatte die Kirche „sperren“ lassen. Sie dient als Getreidespeicher. Entgegen der Warnung von Peppone (sein kommunistischer Landsmann – aber auch sein Freund!) will sich Don Camillo die Kirche ansehen.

Hier die Szene dazu auf youtube (leider konnte ich sie nur in italienscher Originalfassung herunterladen. Die Übersetzung der Konversation habe ich darunter aufgeführt).
Hinweis: Der Moment wirkt etwas düster – es ist in der Nacht und halt ein schwarz/weiss Film (ist man sich heute fast nicht mehr gewohnt….). Am Ende steht im Hintergrund ein Mann. Das ist der orthodoxe Priester.


Übersetzung:

Don Camillo: „Jesus!“

Jesus spricht Don Camillo in russischer Sprache an

Don Camillo: „Herr, ich verstehe, dass du hier mit den Menschen russisch sprechen musst. Aber leider verstehe ich die Landessprache nicht. Entschuldige, was sagtest du?“

Jesus: „Hier sieht man sich wieder Don Camillo!“

Don Camillo: „Ja Herr. Aber was hat man mit dir getan?“

Jesus: „Ich habe in 2000 Jahren Schlimmeres durchgemacht.“

Don Camillo: „Aber wie musst du hier leben, Herr? Die hübsche Kirche, wie sieht sie aus?!“

Jesus: „Sie ist mit Korn gefüllt, und Korn ist das Brot der Menschen – und das Brot bin ich.“

Don Camillo: „Ja, Herr.“

Jesus: „Wenn sie hierherkommen, um das Korn zu holen, dann denken sie an mich. Und sie kommen alle. Auch die, die früher nicht gekommen sind. Sie sprechen zu mir, obwohl sie stumm bleiben. Denn dieses ist die Kirche „der Stille.“

Don Camillo: „Ich habe verstanden Herr. Bitte verzeih mir.“

***************

Warum hatte mich als Kind genau diese Szene so berührt?
Ich mochte den Moment, wo Don Camillo frei heraus so enttäuscht über das Vorfinden seines Gottes auf dem Fussboden reagiert. Doch Jesus war nicht beleidigt oder vorwurfsvoll. Er hat seinem Freund geduldig erklärt, dass die Menschen doch an ihn denken und mit ihm in der Stille sprachen. Das hatte ich verstanden. Egal wo wir sind, wir dürfen mit Jesus sprechen. Egal welche Sprache – er versteht dich und mich!

Heute, wo ich das wieder sehe, da fällt mir noch was anderes auf.
Jesus sagt, dass nun „alle“ in die Kirche kommen, um Getreide zu holen, auch die, welche früher nicht gekommen sind. Ich denke, es geht nicht um das Haus „Kirche“ an sich alleine. Für viele Menschen ist das Gebäude wichtig, weil sie sich dort besonders auf Gott „konzentrieren und besinnen“ können. Dieser Ort ist wirklich wichtig.
Nun war diese Kirche ein Getreidespeicher. Da müssen nunmal alle hin, wenn sie ihr Brot backen wollen. Und wer das Haus betritt, wird unweigerlich mit dem Gedanken an Gott „konfrontiert“.
Was, wenn die Schliessung der Kirche an sich somit was Gutes hatte – denn so „mussten“ die Menschen ja doch dahin?!
Das war dem hiesigen Bürgermeister wohl gar nicht bewusst – umso besser…

Aber klar, das war nun ein Film, eine Geschichte. Wir wissen, dass die Christenheit in Russland, wie auch in vielen anderen Ländern der Welt, nicht einfach „geschlossen“ werden konnte.

Wenn auch kein Gebäude zur Verfügung steht, oder wenn Versammlungen verboten oder gesperrt werden (wie vielleicht auch gerade in der Corona Zeit…) – dann ist unser Gott doch allgegenwärtig. In der Natur, bei uns zuhause – wenn wir zusammen sitzen, spielen, diskutieren oder einfach zur Ruhe kommen. Beim Telefonat mit einer Freundin oder Familie. Beim Skype-Meeting – wo wir uns gegenseitig erzählen können. Im Gebet. Wenn wir abends im Bett liegen und die Sorgen uns nicht schlafen lassen… Auf der Arbeit, wo ich meinen Kolleginnen und Mitmenschen begegne – auch wenn vielleicht gar keine Zeit dafür da ist.

In Gedanken kann ich so oft mit Jesus sprechen.

Das Beste – er antwortet in Liebe – mit Verständnis – manchmal mit Ironie (wie bei Don Camillo)?

Darum habe ich diese Filme immer geliebt – sie waren „liebevoll“ gemacht, was das Gespräch mit dem Heiland anging – so „menschlich“ und „nah“ (auch der Rest des Films 😉).

Und… sollten wir ihn mal nicht verstehen – dann darfst du und ich ihm das auch sagen. Jesus kennt deine und meine Sprache. Wie wir es gerade nötig haben!

Hören wir nicht auf, ihn zu suchen und anzusprechen!

In diesem Sinne…

Прощай, мой друг / девушка Auf Wiedersehen, mein/e Freund/in

Anna

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